Geschichte der Krieger – bzw.  Kyffhäuserkameradschaft  Holzhausen/Porta


Als der Kriegerverein Holzhausen im Jahre 1878 ins Leben gerufen wurde, war es ein vorrangiges Ziel, hilfsbedürftigen Kameraden und Hinterbliebenen zu helfen. Durch die Kriege 1864 gegen Dänemark, 1866 der Preußische Krieg gegen Österreich und der deutsch/französische Krieg 1870/71 sind es viele Opfer geworden, und die eine Unterstützung bitter nötig hatten. Denn ein soziales Netz, wie wir es heute als selbstverständlich ansehen, war in dieser Zeit noch völlig unbekannt.
Hilfe für Menschen in Not mussten damals die Familien und Verwandte leisten und wenn diese dazu nicht in der Lage waren, war es um die Hilfsbedürftigen schlecht bestellt.
In derselben Situation
standen viele Witwen gefallener Soldaten sowie auch Heimgekehrte, die nach schweren Verwundungen gepflegt werden mussten. Hier setzte die Arbeit und Opferbereitschaft des neu gegründeten Kriegervereins an. Praktische und auch finanzielle Hilfe wurde geleistet, um damit vielen Menschen vor dem Allerschlimmsten zu bewahren.

Die erste Aktion des neu gegründeten Kriegervereins 1878 war die Pflanzung einer Friedenseiche durch die aus dem deutsch/französischen Krieg (1870/71) heimgekehrten Kameraden. Zur gleichen Zeit wurde neben dieser Eiche ein kleines Ehrenmal errichtet. Leider sind in den Wirren der letzten Kriegstage des 2. Weltkrieges alle Unterlagen aus dieser Zeit verlorengegangen, so dass man später nur auf Aussagen älterer Kameraden angewiesen war und zurückgreifen konnte.

Der Aufbau des Kriegervereins Holzhausen nach seiner Gründung wurde im Wesentlichen von dem Kameraden Friedrich Bornemann eingeleitet. Es wurde berichtet, dass schon damals mit bescheidenen Mitteln Kriegerwitwen unterstützt wurden. In dieser Zeit war der Verein sehr rührig.
Damals wurden schon regelmäßig Versammlungen abgehalten, und auch die üblichen Feiertage, wie Kaisers Geburtstag etc., natürlich mit entsprechendem Rahmen begangen. Auf Grund des wirtschaftlichen Aufschwungs vor dem ersten Weltkrieg war der Mitgliederzuwachs enorm.
Aber durch den Ausbruch des 1. Weltkriegs (1914) wurde der Aufschwung jäh unterbrochen. In der Folgezeit wurde den Kameraden an sozialem Engagement wieder viel abverlangt. Die Hinterbliebenen, Witwen und Waisen mussten betreut und unterstützt werden, wie es das Versprechen der Kyffhäuser immer war.

Die größte Belastungsprobe kam auf die Kameradschaften nach dem verlorenen 1. Weltkrieg zu.
Es folgten sehr schwere Jahre, Inflation, große Arbeitslosigkeit. In dieser Zeit endete auch die Ära des Vorsitzenden Friedrich Bornemann.
In der nächsten wurde unser Kameradschaftsleben von der Generation der Kameraden Karl Könemann und Friedrich Korte geprägt. Unter ihrem Vorsitz wurde der Verein neu belebt. Der Mitgliederzulauf war sehr beachlich.

So kam das Jahr 1932 mit der Wahl des Reichspräsidenten. Es kandidierten damals Adolf Hitler und der greise Feldmarschall Paul von Hindenburg. Paul von Hindenburg war seinerzeit Ehrenpräsident des Kyffhäuserbundes. Selbstverständlich stellte sich der Kyffhäuserbund mit seinen 4 Millionen Mitgliedern hinter seinen Ehrenpräsidenten, der mit diesen Stimmen die Wahl hoch gewann.
Adolf Hitler hatte dem Kyffhäuserbund diese Niederlage nie verziehen. Nach der Machtübernahme durch Adolf Hitler und die NSDAP am 30. Januar 1933 dauerte es auch nur kurze Zeit bis zur ersten Abrechnung.
Bereits 1934 wurde alles von der Partei gleichgeschaltet. Der Kyffhäuserbund wurde in
Reichskriegerbund umbenannt mit einem Hakenkreuz in der Fahne. Nach der Machtübernahme, so aus den Protokollen ersichtlich, fand, unter beachtlichem Protest der Kyffhäusermitglieder, die Gleichschaltung mit der NSDAP statt. Diese Maßnahme war mit der Idee des Kyffhäusergedankens unvereinbar. Unter diesen Voraussetzungen hat das Vereinsleben gelitten. Mit verstärkter Aufrüstung erlebte die deutsche Wirtschaft eine kurze Scheinblüte, die uns allerdings direkt in den 2. Weltkrieg führte.

Der Reichskriegerbund, der mit der sozialen und kreativen Arbeit jetzt wieder beginnen sollte, war lahmgelegt worden. Das die erste Aktion. Der Bund bekam auch bald die 2. Quittung: 1943 – 157 Jahre nach der Gründung folgte die schwärzeste Stunde, nämlich durch die Hitlerregierung - das Verbot  wegen politischer Unzuverlässlichkeit.
Bis zu den Kreisverbänden wurden alle Gremien
abgesetzt, zum Teil sogar verhaftet. Die einzelnen Kameradschaften wurden der Partei direkt unterstellt, Vermögen und Liegenschaften wurden vom Staat eingezogen. War die Gleichschaltung 1934 schon ein Schock für die Mitglieder der Kriegervereine, so war jetzt das Verbot eine Katastrophe, und das Kameradschaftsleben kam völlig zum Erliegen.
Dennoch war es Ehrensache der Kameraden,
an die im Felde stehenden Mitglieder und Söhne der Wohngemeinde Holzhausen, Päckchen und Gaben zu verschicken. Wie schon eingangs erwähnt, sind in den Wirren der letzten Kriegstage alle Symbole und Unterlagen der Holzhauser Kameradschaft abhandeln gekommen.

Wer nun nach Ende des Krieges (1945) glaubt hatte, mit der Vereinsarbeit wieder weitermachen zu können, wurde getäuscht. Unlogisch und daher auch unverständlich war das Verbot der Alliierten bis 1952 mit entgegengesetzter Begründung wegen der Unterstützung des Naziregimes. So grenzte es fast schon an ein Wunder, dass nach so langer Zeit des Verbots (9 Jahre) sich überall Männer bereitfanden, ihre Kriegerkameraraden wieder ins Leben zu rufen.

So auch in Holzhausen/Porta. Unter der Initiative des Kameraden Karl Könemann wurden im Jahre 1951 vorbereitende Gespräche geführt, und unter Mitwirkung von Heinrich Maschmeyer, Ferdinand Bischoff, Friedrich Gieselmann, Herbert Höltkemeyer, Fritz Marggraf, Karl Schurbaum, Karl Bulmahn und Bornmann kam es im Juli 1952 zur Wiedergründung der hiesigen Kriegerkameradschaft.
In der Gründungsversammlung wurden Zweck und Ziele wie folgt klar umrissen:

1.)    Gemeinnützige und kameradschaftliche Wohlfahrtspflege auf sozialer Grundlage;
2.)    Pflege der Kameradschaft und Schutz der Ehre des deutschen Soldaten.                        
                         
Nach  abgeschlossener Wiedergründung und dem Neuaufbau ging der Vorsitz nach dem Ableben von Karl Könemann am 10. 01. 1953 an den unvergessenen Bruno Klein über. Unter seiner Leitung festigte sich das Kameradschaftsleben wieder. Der Verein nahm seinen angestammten Platz in der Gemeinde wieder ein. Nach dem Tode des Kameraden Klein Ende 1954 übernahm der spätere Ehrenvorsitzende Fritz Gieselmann 1955 den Vorsitz. Als kontinuierlich ausgleichende Persönlichkeit bewirkte er zusammen mit seinem jüngeren Vorstandsmitglieder den weiteren Aufbau der Kameradschaft.
Schon 1955 hatte der Verein die Zahl von 100 Mitgliedern überschritten. 1956 wurde eine neue Fahne geweiht. Die verstärkte Unterstützung der Kriegsgräberführsorge fiel auch in
die Amtzeit des Vorsitzenden Fritz Gieselmann.
Unvergessen bleibt auch die Einführung des
Schießsports unter der Regie des, leider, viel zu früh verstorbenen Schießwartes Gustav Schöttler, der mit bescheidenen Mitteln, Geräten und Anlagen beginnen musste. Wilhelm Berg hat als Schießwart diese Arbeit fortgesetzt.
Der Anstoß zum Bau eines Ehrenmals für die Toten des 2.
Weltkriegs war ein Hauptanliegen der Kameradschaft. Das Ehrenmal wurde aus eigenen Mitteln der Vereinsmitglieder für die Holzhauser Bürgerschaft erstellt. Die hier in Porta- Sandstein eingemeißelte Inschrift:
"Wir mahnen zum Frieden"  

gehört seit jeher zur wesentlichen Aufgabenstellung der Gemeinschaft. Im Zusammenwirken aller örtlichen Vereine wurde auf Initiative der Kriegerkameradschaft durch Unterstützung der derzeit noch selbstständigen Gemeinde Holzhausen, die neue Schießsportanlage „ Am Amorkamp“ errichtet.
Für all dieses Bemühen galt es, dem Vorsitzenden Fritz Gieselmann und seiner Führungsmannschaft herzlich zu danken. Aus Altersgründen gab Fritz Gieselmann nach 19 Jahren sein Amt am 7.1.1974 auf und wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
In der gleichen Versammlung wurde der jetzige
Ehrenvorsitzende Friedel Schulte zum 1. Vorsitzenden gewählt. Mit dessen Amtzeit beschloss die Kameradschaft, sich mehr zu öffnen. So wurden auch Frauen und Jugendliche aufgenommen. Nach genau 10 Jahren, am 17.04.1984, endete die Vorstandsarbeit des Friedel Schulte.
Eine Legislatur
periode (4 Jahre) vom 17.01.1984 bis 16.01.1988 stand Herbert Hauenschild dem Verein vor.
Für
die folgenden 4 Jahre, wiederum eine Legislaturperiode, vom16.01.1988 bis zum 18.01.1992 war noch im hohen Alter Gerhard Brösdorf bereit, die Geschicke des Vereins zu leiten. Zusätzlich war er im gleichen Zeitraum noch als Vorsitzender des Stadtverbandes Porta Westfalica tätig.
Danach leitete über 8 Jahre vom 18.01.1992 bis zum 31.03.2001 Friedrich Meier den Verein. Seine erste Amtshandlung war die Umbenennung der Gemeinschaft von Krieger – in Kyffhäuserkameradschaft mit gleichzeitiger Eintragung in das Vereinsregister e.V. des Amtsgerichts Minden. Unter seiner Leitung wurden Erweiterungsmaßnahmen, mit Unterstützung der Mitglieder, am Schützenhaus durchgeführt. Sein Verdienst war es auch, die Mitglieder zu motivieren, bis zur 120 – Jahrfeier im Jahre 1998 zusätzliche Spenden aufzubringen, für die Neuanschaffung einer Vereinsfahne.
Die neue
Fahne konnte auch tatsächlich zu den Feierlichkeiten des Jubiläums eingeweiht werden. Die Weihe wurde vom Kreis- Ehrenvorsitzenden Friedrich Meinze zusammen mit unserem damaligen Bürgermeister Heinrich Schäfer vorgenommen. 1999 fand im Rahmen der“ 900 Jahrfeier Holzhausen“, mit der Ortsgemeinschaft , fand das Kreis- Kyffhäusertreffen, von der Kameradschaft organisiert,  in Holzhausen statt. In der Folgezeit hatte Friedrich Meier mehrfach darum gebeten, aus
Gesundheitsgründen sein Amt niederzulegen. Seine Vorstandsarbeit endete dann auch vorzeitig zum 31. März 2001.
Bis zur nächsten Jahreshauptversammlung am 19.01.2002 übernahm der bisherige
2.Vorsitzende Bruno Janz, ebenfalls schon über 8 Jahre in dieser Funktion tätig, kommissarisch die Leitung des Vereins.
Für seine erfolgreiche Arbeit wurde Friedrich Meier zum Ehrenmitglied
ernannt. Am 19.01.2002 wurde Bruno Janz von der Versammlung bis Ende der Legislaturperiode am 16.01.2004 gewählt, als Vorsitzender die Vereinsleitung zu übernehmen.
Die Feierlichkeiten zum 125- jährigen Bestehen 2003 der Kameradschaft fanden im Zelt auf dem Schützenplatzgelände "Amorkamp" unter Beteiligung der örtlichen und überörtlichen Vereine aus dem Bereich der Stadt Porta Westfalica statt.
Grußworte zu diesem Jubiläum wurden übermittelt
von der Landes- und Bundesfrauenreferentin im Kyffhäuserbund Erika Schulz, vom stellvertretenden Bürgermeister Dieter Lichte, vom Kyffhäuser- Kreisverbandsvorsitzenden Stefan Groditzki und die Laudation des Festabends hielt der Kreis- Ehrenvorsitzende Friedrich Meinze.
In der  fälligen Jahreshauptversammlung 17.01.2004 fand bei den Neuwahlen ein Generationswechsel statt. Alle Funktionen wurden von überwiegend jüngeren Mitgliedern besetzt. Die Mitglieger wählten Ralf Titze zum Vorsitzenden, der nach zwei Jahren aus persönlichen Gründen am 21.01.2006 auf eine Wiederwahl verzichtete. In den 2 Jahren seiner Regentschaft hat er allerdings für die Kameradschaft sehr viel geleistet.
Die Satzung wurde geändert, und zwar, u.a. bei Neuwahlen
die Dauer des gewählten Vorstands nicht wie bisher 4 Jahre, sondern die Laufzeit auf 2 Jahre zu
beschränken. Die neue Satzungsänderung hat damit Gültigkeit ab dem 01.Januar 2006.
In der Jahreshauptversammlung am 21.01.2006 wurde der Kamerad Ralf Höinghaus, zum neuen Vorsitzenden für 2 Jahre gewählt.

Da der Schießsport in der Kameradschaft den größten Stellenwert einnimmt, möchten wir alle Bürgerinnen und Bürger sowie Jugendliche, die am Schießsport Gefallen finden, zu den Trainingszeiten (Erwachsene montags von 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr, Jugendliche Mädchen und Jungen ab 10 Jahre - jeweils freitags von 16:00 Uhr - 18:00 Uhr) in unser Schützenhaus herzlich willkommen heißen.

Geschrieben:

Porta Westfalica, den 03. August 2006

Helmut Musielak   und  Rainer Traue